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OPOLUS

Beitrag zur Ausstellung
Winckelmann. Moderne Antike

Neues Museum Weimar | 99423 Weimar | Jorge-Semprún-Platz 5 | 7. April - 2. Juli 2017

Zur Winckelmann-Ausstellung

»Von Winckelmann inspiriert – Bauhaus-Künstler zwischen moderner Antike und antiker Moderne«: Franziska Becher sieht Gier als eine der Eigenschaften an, die Menschen damals wie heute gleichermaßen prägt.

Opolus verbindet Antike, d.h. das Material Gold, ein Herrscherprofil und eine der ältesten Sprachen der Welt, mit einem der aktuellsten Zahlungsmittel der Gegenwart und einer digitalen Geldeinheit, dem Bitcoin.

Opolus besitzt die Größe einer Ein-Cent-Münze.
Der Text auf der Münze ist mit Buchstaben des phönizischen Alphabets geschrieben, einer Schrift, deren Ableitungen fast allen heute gebräuchlichen Schriften der Welt zugrunde liegt und soviel bedeutet wie »Die Natur des Menschen ist konstant und durch Gier und Machtstreben geprägt« (Thukydides) und symbolisch somit Antike und Gegenwart verbindet

opolus-vorderseiteopolus Rückseite
Franziska Becher, OPOLUS, Objekt, 16,25 mm. Dicke: 1,67 mm, Gold

Johann Joachim Winckelmanns tragischer Tod ist ein trauriges Beispiel für die im Zitat wenig ehrenhafte Charakteristik des menschlichen Wesens.
Im April 1768 wollte Winckelmann nach Deutschland reisen, er erkrankte während der Fahrt und brach die Reise ab. Auf dem Rückweg traf er auf Francesco Arcangeli. In den folgenden Tagen trafen sich die beiden Männer häufig. Winckelmann zeigte Arcangeli wertvolle Gold- und Silbermünzen und weckte dessen Gier. Arcangeli versuchte nun mehrfach, sich Winckelmann zu entledigen, um in den Besitz der Münzen zu gelangen. Der erste Mordversuch durch Strangulierung misslang. Trotz heftigster Gegenwehr Winckelmanns erstach Arcangeli ihn schließlich auf brutalste Weise.
Nach seiner Festnahme rechtfertigte er sich, indem er die Schuld Winckelmann zuschob, da dieser ihm die Münzen gezeigt habe. Diese hätten die ›Gier‹ in ihm geweckt – ein Charakterzug, der dem Menschen innewohnt, für welchen er nichts kann.

Opolus zeigt, dass sich Menschen in ihrem Wesen nicht verändern. Der in der Antike lebende und der heutige moderne Mensch werden von gleichen Werten im positiven wie negativen Sinne geprägt.
Unter dem Motto »Von Winckelmann inspiriert – Bauhaus-Künstler zwischen moderner Antike und antiker Moderne« haben wir Künstlerinnen und Künstler der Bauhaus-Universität Weimar dazu eingeladen, sich kreativ mit Johann Joachim Winckelmann und seinem Wirken zu beschäftigen. Bis zum Ende der Ausstellung am 2. Juli veröffentlichen wir die unterschiedlichen Ergebnisse dieser künstlerischen Zusammenarbeit wöchentlich im Blog.

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R E Z E N S I O N :

Claus Bachs Bildarchiv: Der kleinste gemeinsame Nenner
Radio Beitrag | 28. Juni 2017 | Radio Lotte, Stadtzeit

Claus Bach Bildarchiv
Claus Bachs Bildarchiv, Foto: Claus Bach

Auch die Weimarer Künstlerin Franziska Becher hat sich auf Einladung der Klassik Stiftung Weimar mit dem Leben des Archäologen Johann Joachim Winckelmann beschäftigt. Und die Sache dabei auf den kleinsten gemeinsamen symbolischen Nenner unserer Existenz gebracht. Wenngleich auch nicht den allerbesten. Denn der nennt sich schlicht Gier. Bis heute bestimmt er einen Teil unseres Lebens. Dass das auch zu Winckelmanns Lebzeiten so war, dekliniert Becher nun auf simpelste Art und Weise durch.

Bekanntlich endete das Leben des berühmten Archäologen gewaltsam: Sein letzter Bekannter erstach ihn aus keinem anderen Grund als dem der Habgier. Und den soll er nach der Tat als Motiv angegeben haben. Er konnte eben nicht anders, als eben jenem Antrieb zu folgen. Winckelmann selbst sei Schuld, weil er eben jene Gier in ihm geweckt habe.

Soweit der Teil der Historie. Dass es meist immer um nichts anderes als den Besitz einer bestimmten großen Menge geprägter Goldmünzen ging, ist freilich mehr als banale Erkenntnis. Und die müsste eigentlich groß genug gewesen sein, um daraus zu lernen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Um das zu verdeutlichen, veränderte Becher das Abbild einer antiken Goldmünze mit eingeprägtem Herrscherprofil zum Symbol eines Bitcoins. Der zeitgenössischen virtuellen Währung. Zu sehen ist nun der Großbuchstabe B, welcher von zwei senkrechten Strich überlagert wird und golden schimmert.

"Opolus" nennt sie Ihre Arbeit und schreibt dazu: "Opolus besitzt die Größe einer Ein-Cent-Münze. Der Text auf der Münze ist mit Buchstaben des phönizischen Alphabets geschrieben, einer Schrift, deren Ableitungen fast allen heute gebräuchlichen Schriften der Welt zugrunde liegt und so viel bedeutet wie »Die Natur des Menschen ist konstant und durch Gier und Machtstreben geprägt« (Thukydides) und symbolisch somit Antike und Gegenwart verbindet." Da spricht schon jene alte Prägung unangenehmen Klartext. Das mag alles sehr platt sein. Doch mehr noch: Genau jene Wertvorstellung bestimmt die Gegensätzlichkeit der menschlichen Spezies. Nicht mehr und nicht weniger. Im Grunde ist das ausgesprochen lächerlich und verleitet genau deshalb zu ungemein komödiantischen Auswüchsen, in denen stets ein Stück lernende Erkenntnis aufblitzt. Siehe das berühmte Zitat eines Hollywood-Films: "Für ihn ist Geld nur bedrucktes Papier". Wenn es nur so einfach wäre.

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